Wie in Stendal Stadtsee alles begann

Als wir im Sommer ’96 von der Möglichkeit erfuhren, ein riesiges Gebäude mitten in einem großen Plattenbauviertel für offene Kinder- und Jugendarbeit zu bekommen, waren unsere Gefühle sehr gemischt. Das Stadtviertel war schon damals nicht die feinste Gegend und es hat sich bis jetzt zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt: Arbeitslosigkeit, Drogenprobleme, familiäre Verwahrlosung. Doch bei der ersten Besichtigung des Gebäudes fingen wir Feuer bei der Vorstellung, hier mittendrin im Viertel „Salz und Licht“ zu sein! Nach einem denkwürdigen Abend mit den Leuten unseres Trägervereins stand die Entscheidung fest: wir wollen uns auf dieses Glaubenswagnis einlassen, verbunden mit dem weisen Beschluss, keine Schulden zu machen.

Kreativität rund um das Gebäude

Die ehemalige Kinderkrippe stand schon einige Monate leer und war in einem desolaten Zustand: voller Unrat, kaum noch heile Fenster, zerschlagene Sanitäranlagen und riesengroß (750qm). Die Stadtverwaltung hat uns das ganze Gebäude mit Grünanlage zur Verfügung gestellt, mit der Bedingung, es wieder instand zu setzen. So begann unser Bauabenteuer. In der ersten Zeit haben wir uns im Haus wirklich noch verlaufen. Die Vision für den KidsClub war zuerst da, also begannen wir diesen Bereich herzurichten. Gott hat uns immer wieder ermutigt, zum Beispiel mit einer Riesenladung bester kunterbunter Farbe als Spende von einem Malerbetrieb. Es waren immer Menschen da, die die Vision teilten und kurzfristig oder lange Zeit mitgeholfen haben. Irgendwie war auch immer gerade genug Geld und Baumaterial da, aus Spenden, öffentlichen Fördermitteln oder Altmaterialien. Als gelernte DDR-Bürger kannten wir das Prinzip „Aus alt mach neu“ recht gut. Und wer hatte schon eine Intershoptür vor der Wohnung oder kunterbunte Fensterläden aus alten Türen?

Jedes Kind ist Herzlich Willkommen!

Beim Eröffnungsfest des KidsClubs im Juni 1998 waren wir überwältigt von der Resonanz, über hundert Kinder tummelten sich auf dem Gelände, viele Eltern und Nachbarn schauten vorbei. Seitdem gab es regelmäßig Woche für Woche die Kidsclubshow, in der wir den Kindern Gottes Liebe weitergeben wollten. Inspiriert hat uns die Kinderarbeit von Bill Wilson in New York, nach dessen Konzepten auch heute noch gearbeitet wird.

Ein Jahr später konnte eine Familie die erste Mitarbeiterwohnung im Gebäude beziehen. Uns war von Anfang an klar, dass wir hier auch leben müssen, wenn wir Freunde und Nachbarn werden wollen. Aus der anfänglichen Furcht vor dem schwierigen Viertel ist ein echtes Wohlfühlen geworden. Wir stehen unter Gottes Schutz und Segen! Nach und nach füllte sich das Haus mit Leben. Im Jahr 2000 eröffnete der Jugendclub Eckstein, der zuvor als „Café Eckstein“ in der Stendaler Innenstadt angesiedelt war. Dort liefen in den ersten Jahren immer wieder coole Konzerte und Paddeltouren. Von Anfang an setzte das Team auf intensive Beziehungsarbeit. Im Bandproberaum hörte man regelmäßig Schülerbands proben und im Fitnessraum tummelten sich die Sportler.

Kidsclub-Show auf der Terrasse, 2008

In den Folgejahren konnten die Öffnungszeiten von anfänglich einem Wochentag auf fünf Tage Kidsclub und vier Tage Jugendclub ausgebaut werden. Über verschiedene Maßnahmen und Freiwilligenprogramme wurden immer wieder Teams gefunden, die die tägliche Arbeit koordinierten. Ein Sozialarbeiter konnte fest angestellt werden und weitere Mitarbeiter lebten als Praktikanten in einer Wohngemeinschaft über den Clubs. Die Arbeit entwickelte sich kontinuierlich weiter. Das Gebäude wurde immer weiter renoviert und überholt. Dank vieler Spender und Freunde der Arbeit mussten wir nie Schulden machen. Gott sei Dank!

Im Jahr 2011 konnten wir die Arbeit an den neuen Leiter Samuel Kloft und sein stetig wachsendes Team von engagierten jungen und junggebliebenen Leuten übergeben.

Bernhild Pfautsch, Mitbegründerin des Vereins